TECHNIK & ENTWICKLUNG

Furion Taran: Französisches Elektromotorrad plant Antrieb an beiden Rädern

Furion entwickelt im französischen Le Mans eine elektrische Antriebsarchitektur namens EVERSOR. Ein Motor in der Vorderradnabe und eine softwaregesteuerte Kraftverteilung zwischen beiden Rädern sollen neue Möglichkeiten für Antrieb und Energierückgewinnung schaffen.

Originalmeldung bei AVEM

Auf einen Blick

  • Frankreich: Furion plant die Taran als elektrisches Demonstrationsmodell für die EVERSOR-Technik mit zwei angetriebenen Rädern.
  • 240 kW und 20 kWh sind Angaben der Furion-Modellseite, kein unabhängiges Testergebnis.
  • Die beworbenen Reichweitengewinne stammen laut Furion aus Simulationen; ein Schweizer Verkaufsstart ist damit nicht belegt.
Offizielle Designvisualisierung der roten Furion Taran im Profil, keine Aufnahme eines ausgelieferten Serienmotorrads

Was EVERSOR an der Antriebsarchitektur verändert

Furion beschreibt einen kompakten Axialflussmotor direkt im Vorderrad. Zur Architektur gehören außerdem eine gesteuerte Gegenrotation und eine softwarebasierte Verteilung des Antriebs auf beide Räder. Die Taran ist als elektrische Kleinserie und Demonstrationsmodell dieser Technik angekündigt. Das französische Verbandsmedium AVEM berichtete im September über das Projekt.

Die technische Idee ist nicht mit einer bestätigten Alltagseigenschaft gleichzusetzen. Zwei angetriebene Räder sagen für sich genommen noch nicht, wie sich ein konkretes Motorrad auf nasser Straße, in langsamen Kurven oder beim Bremsen verhält. Dafür wären nachvollziehbare Tests des fertigen Fahrzeugs nötig. Einen eigenen Fahrbericht können wir zu diesem Projekt nicht liefern.

Herstellerdaten sind noch kein unabhängiger Reichweitentest

Für die Taran nennt Furion 240 kW Leistung, 230 Kilogramm Masse einschließlich Batterie und einen Akku mit 20 kWh. Auf der Modellseite stehen außerdem 200 Kilometer Reichweite. Diese Werte beschreiben die Herstellerdarstellung des Projekts. Sie belegen weder eine abgeschlossene Homologation noch die Auslieferung eines entsprechenden Serienfahrzeugs.

Bei den zusätzlich beworbenen Effizienzgewinnen ist die Methodik entscheidend: Furion führt Reichweitenverbesserungen von 20 bis 30 Prozent auf WLTC-Simulationen zurück, die mit Messungen am Prototyp kalibriert wurden. Daraus wird kein unabhängig gemessener Reichweitengewinn einer käuflichen Taran. Ein nachgebildeter Fahrzyklus, eine gemessene Teilkomponente und eine komplette Straßenerprobung sind unterschiedliche Nachweisstufen.

Warum Demonstrator und geplante Taran auseinandergehalten werden müssen

Im Presseraum grenzt Furion die früheren hybriden M1- und M2-Prototypen vom inzwischen rein elektrischen Programm ab. Versuche mit einem früheren Technikträger sind deshalb nicht automatisch ein Test der heute gezeigten Taran. Auch das offizielle Bild dieses Artikels ist als Designvisualisierung eingeordnet, nicht als Beleg einer Auslieferung.

Die Modellseite lädt dazu ein, sich über künftige Reservierungen und private Tests informieren zu lassen. Sie ist damit keine Bestätigung eines Schweizer Verkaufsstarts. Vor einer Kaufentscheidung wären insbesondere lieferbare Ausführung, Zulassung, Preis und Service zu klären. Für die Branche bleibt das Projekt dennoch interessant: Es untersucht, welchen Beitrag Antrieb und Energierückgewinnung zur Entwicklung eines Elektromotorrads leisten können, ohne die Antwort allein in zusätzlicher Akkukapazität zu suchen.

Fragen und Antworten

Ist die Furion Taran bereits ein erhältliches Serienmotorrad?

Die geprüften Furion-Seiten bestätigen keine Auslieferung einer Taran in der Schweiz. Der Hersteller beschreibt eine geplante kleine Serie und bietet Informationen zu künftigen Reservierungen und Tests an. Angaben zu Leistung und Akku sind deshalb als Projektdaten einzuordnen. Sie ersetzen keine Bestätigung einer lieferbaren und zugelassenen Ausführung mit Preis, Service und konkretem Liefertermin.

Sind die Reichweitengewinne von EVERSOR bereits unabhängig bewiesen?

Furion erklärt die beworbenen Reichweitengewinne mit WLTC-Simulationen, die auf Messungen am Prototyp aufbauen. Das ist eine Herstellerbeschreibung der Entwicklungsmethode, kein unabhängiger Vergleichstest einer ausgelieferten Taran. Für eine belastbare Bewertung müssten unter anderem Vergleichsfahrzeug, Fahrzyklus und Batterieausstattung nachvollziehbar sein. Die gemessene Funktion eines Technikträgers und die Reichweite eines kompletten Serienmotorrads dürfen dabei nicht gleichgesetzt werden.

Ist die Furion Taran ein Hybrid oder ein Elektromotorrad?

Die Taran gehört laut Furion zum rein elektrischen Programm. Die Verwechslungsgefahr entsteht durch die früheren M1- und M2-Demonstratoren, die hybride Antriebe verwendeten. Deren Entwicklungsgeschichte erklärt die Herkunft der EVERSOR-Technik, belegt aber nicht den Serienstand der Taran. Wer Berichte über das Projekt vergleicht, sollte deshalb stets prüfen, ob vom früheren Versuchsträger oder vom angekündigten elektrischen Modell die Rede ist.

Quellen